Laufhäschen

REGINA LIEBERT

VCM 2011 mit LMS-Marathon

vcm11-34

Mein 13. Marathon – Glückszahl oder Unglückszahl?

 

Um 5.00 Uhr Früh werde ich munter um angesammeltes Wasser zu entsorgen.

Ich will aufstehen, muss mich aber einmal aufrecht hinsetzen, da mir schwindlich ist.

Langsam stehe ich auf und alles dreht sich. Mein Kreislauf bzw. Blutdruck versagt – zu niedrig.

Auf dem Rückweg ins Bett, suche ich eine Rotweinflasche und nehme davon 3 Schluck. Ich habe zum Glück relativ selten ein Blutdruckproblem, aber wenn, dann hilft fast immer Rotwein, der lässt den Blutdruck steigen. Ich lege mich wieder ins Bett. Geschlafen hatte ich aber ausgezeichnet.

Den Alptraum zum Start zu spät zu kommen und diesmal auch noch meine Powergels zu Hause zu vergessen, hatte ich schon von Freitag auf Samstag. Um 5:30 Uhr wäre geplant gewesen, aufzustehen. Ich versuchte mich vorsichtig aufzusetzen. Mein Mann merkt sofort das etwas nicht stimmt und ist hell wach. Springt auf und sucht nach einer Sektflasche. Irgendeinmal haben wir eine geschenkt bekommen. Dazwischen gibt er Ratschläge, Hände in die Höhe und die Finger bewegen,…….. Orientierungslos bewege ich mich durch die Wohnung.

In der Zwischenzeit versuche ich einen Schluck vom Sekt hinunter zu bekommen, den mir mein Mann unter die Nase hält. Der soll meinen Kreislauf wieder flott machen.

Eigentlich ja sehr nett, den Tag mit einem Sektfrühstück zu beginnen, aber ich mag Sekt absolut nicht. Aber wenn es der Sache dienlich ist.

Ich esse langsam, sehr langsam mein Frühstück. Ich behalte alles in mir. Solange ich nicht auf den Boden schaue, ist das Schwindelgefühl nicht da.

Beschließe auf jeden Fall zu starten und gehe Duschen. Es wird besser. Schaffe es dann doch pünktlich um 7:30 Uhr von zu Hause wegzugehen.

Mein Mann kann heute leider nicht mitlaufen, sein Meniskus lässt es nicht zu – schon seit 10 Wochen. Das tut weh, ohne ihn heute laufen zu müssen.

Zu Fuß geht es zum Praterstern, sind ja nur ein paar Minuten, danach mit der U-Bahn nach Kagran wo ich die anderen, vom Besten Forum der Welt, treffen werde. Die U-Bahn ist gerammelt voll, ich passe aber noch hinein. Exakt um 8.00 Uhr bin ich beim Treffpunkt. Wir plaudern, es werden Fotos gemacht und dann marschieren wir los. Dazwischen muss ich ein paar Pinkelpausen einlegen. Der Kreislauf ist auch wieder stabil. Die Gruppe löst sich auf. Jeder geht in seinen Startblock. Ich gehe noch etwas weiter nach vorne und reihe mich auch ein. Bei mir im Block stehen Leute mit allen Punktfarben (rot, schwarz, gelb). In welchen Starblock ich stehe, weiß ich eigentlich nicht. Ich treffe Anneliese und wir plaudern ein bisschen. Sie läuft heute den HM. Es dauert nicht mehr lange und es geht los. So flüssig war der Start diesmal nicht und danach kam ich sogar in einen Stau. Da ich normalerweise sowieso immer zu schnell los laufe, wollte ich den Fehler heute nicht machen. Das zick zack laufen und überholen kostet zu viel Kraft, nein, heute mache ich das nicht. Beim Kilometer 1 – die Augen wurden groß – 4:46! Also das ist wirklich zu langsam, jetzt muss ich etwas unternehmen. Ich suchte mir größere Lücken aus und lief dazwischen durch, zum Überholen. Das Feld zog sich aber auch etwas mehr auseinander und man konnte jetzt schon etwas schneller laufen. Der Kilometer 2 zeigte 4:04. Schreck!, zu schnell. Sofort fiel mir ein, der ist Brücke bergab, das wird schon passen. Nach der Brücke liefen Leute von der anderen Seite rüber, andere wiederum auf die andere Seite. So viele Seitenwechsler habe ich noch nie gesehen. Das Leute rüber zum abkürzen laufen – total unfair, aber es gab auch welche die rüber kamen. Als ich um den Praterstern lief sehe ich Susu und winke ihr zu. Ich fühlte mich recht gut, war jetzt bei Kilometer 3 und habe mich jetzt auch bei meiner Kilometervorgabe 4:25 eingependelt. Ein wenig noch zu schnell, aber das sind nur ein paar Sekunden. Rasch ging es voran und ich lief mit der Masse mit. Bei km 5 wollte ich mir meine Eigenverpflegung nehmen, aber sie war nicht da. Ich krallte mir somit einen Wasserbecher, nippte daran und zog weiter. Durch die suche meiner Flasche, hatte ich etwas Zeit auf diesen Kilometer verloren, aber nicht schlimm. Da meine Flasche nicht da war, beschloss ich, beim Km 10 nicht vorher schon mein Powergel zu nehmen, sondern zuerst schauen, ob ich sie dort bekomme. Jetzt treffe ich Edi. Meine Güte, das waren Zeiten, im Jahr 2004 bin ich mit ihm gemeinsam meinen 1. Marathon gelaufen. Ich wünsche ihm viel Glück und ziehe weiter. Von der Allee raus auf die Schüttelstraße und vorbei an meinen Wohnhaus. Genau dort sah ich Pipel. Ich rief ihm zu, ich laufe 4:25, komm mit! Er antwortete, das er verletzt sei und nicht kann. Er wollte heute Sub 3 laufen. Meine Antwort war wiederum – Sch****.  Das tut weh, wenn man einen Freund sieht und er muss aufhören, weil er verletzt ist. Es ging weiter auf der Schüttelstraße bis zur Marienbrücke, danach rüber in den 1. Bezirk auf den Ring. Ich konnte die Kurven schön eng anlaufen. Dort standen sehr viele Zuschauer, ich versuchte diese zu animieren und hob die Hände, aber es ging keiner mit. Na gut, das kann ich mir also sparen und meine Energie dadurch auch. Jetzt kam die Labestation bei km 10. Bin gespannt ob dort meine Flasche steht? Ja!, sofort gefunden. Ich höre in mich hinein, eigentlich geht es mir recht gut, aber ich beschloss trotzdem mein Powergel zu nehmen, damit ich erst gar nicht in ein Defizit komme. Bei der Oper wieder viele Leute, es ist herrlich. Jetzt beginnt einmal ein etwas unangenehmer Teil, die Wienzeile. Ein Kilometer nach dem anderen lasse ich hinter mir. Bei ca. Km 13 treffe ich Martin Höller. Eigentlich wollten wir gemeinsam laufen, jedoch beim Start haben wir uns nicht gefunden. Er wird diesmal nicht so schnell laufen, da er erst vor kurzem Papa geworden ist und daher weniger trainiert hat. Ich würde ihn sonst nicht treffen, weil er so schnell ist. Da ich mich gut fühle, laufe ich an ihm vorbei und versuche meinen Rhythmus beizubehalten.  Auch bei der Labestation Km 15 finde ich rasch meine Flasche. Etwas unangenehm empfinde ich es, meinen eigenen Atem zu hören oder keuche ich schon? Da ich ja sonst immer mit MP3-Player laufe (heute muss ich verzichten – es ist verboten bei Meisterschaften damit zu laufen) höre ich das sonst nicht. Jetzt befinde ich mich beim Technischen Museum und es geht runter auf die Mariahilferstrasse. Die vielen Straßenbahnschienen und Verkehrsinseln empfinde ich als sehr unangenehm.  Von hinten kommt David angelaufen. Was machst Du da?, fragte ich ihn. Ich weiß das er den HM läuft und sollte viel, viel weiter vorne sein. Er ist verkühlt und daher läuft er langsamer. Er lässt sich wieder zurückfallen und unsere Wege trennen sich. Wieder sehe ich Christine, die Frau von Reini, der auch von meinen Trainer betreut wird. Sie treffe ich heute schon das 3. Mal. Unglaublich wie schnell sie es bewältigt von einen Standort zum nächsten zu wechseln und das jetzt, war nicht das Letzte Mal, dass ich sie heute treffe. Bei der Labestation km 20 hat es wieder reibungslos geklappt und meine Flasche bekommen. Irene arbeitet an der Labestation und ist voll beschäftigt die Leute mit Wasser zu versorgen. Ich grüße sie und laufe weiter. Jetzt nehme ich mein zweites Powergel. Beim Rausholen fällt es mir zu Boden und ich muss einige Schritte zurück. Eigentlich eine Lebensgefährliches Unterfangen. Massen an Menschen kommen auf einem zu. Bin aber sehr schnell und der hinter mir gelaufen ist, hat das schnell mitbekommen und konnte gut ausweichen. Trotzdem beim Überholen entschuldige ich mich bei ihm, er lächelt und es geht weiter. Ich freue mich schon wenn die Halbmarathonläufer von der Strecke sind. Beim Parlament konnte ich endlich so richtig Atmen. Frei! Plötzlich ist so viel Freiraum da – schön. Ich liege Zeitmäßig noch immer auf Kurs. Ein junger Mann fragt mich, was ich laufe?, und sagt: er läuft mir schon die ganze Zeit nach und findet das Tempo gut. Ich erzähle mein Vorhaben: soll die km in 4:25 laufen und mit 3:06:38 ins Ziel kommen. Er wünscht mir alles Gute und sagte, jetzt wird nichts mehr gesprochen. Mittlerweil sind wir über die Friedensbrücke auf die Obere Donaustraße eingebogen. Bei der Labestation km 25 ebenfalls sofort meine Flasche gefunden, geleert und entsorgt. Mein Begleiter der junge Mann hat sich in der Zwischenzeit nach vorne abgesetzt. Diese Obere Donaustraße und die Schüttelstraße hasse ich. Die geht Wellenförmig auf und ab. Keine Zuschauer und meine Kraft verschwindet jetzt auch. Die Kilometerzeiten werden schlechter. Kein Wunder das sich der junge Mann von mir entfernt hat. Jetzt laufe ich das 2. Mal bei meinen Wohnhaus vorbei und die Tafel zeigt km 28. Eine Bühne steht weiter vorne und es wird live vom Heldenplatz moderiert. Ein bisschen Abwechslung bringt es. Jetzt treffe ich Sylvie Tramoy und sie feuert mich an. Sie steht am Streckenrand. Ihr Freund Roman Weger ist schon vor ein paar Minuten vorbei gelaufen, jedoch in der anderen Richtung – zum Ziel! Ich habe mich gefreut, dass sie mich erkannt hatte. Wir sind vor einem Jahr gemeinsam beim 24-Stunden-Damenstaffel-Weltrekord gelaufen. Es geht wieder rein in die Hauptallee – in mein zweites Wohnzimmer. Dort befand sich gleich zu Beginn die Labestation km 30. Ich habe wieder zuerst meine Flasche gesucht und danach mein Powergel genommen. Es sah recht lustig aus, wie eine riesige Ameisenstraße. In allen Richtungen die man sah, bewegte sich was. Die einen liefen schon wieder raus auf die Stadionallee, die anderen waren gerade Richtung Stadion unterwegs, auf der Gegenseite war man am Weg zum Lusthaus. Und ich war gerade einmal am Anfang, nämlich zum Stadion rauf. Scharfe Kurve und wieder retour auf die Allee. Auf der Gegenseite sah ich JM. Er grüßte rüber und ich konnte nur mehr mit einem Lächeln antworten. Jedoch JM strahlte, hob die Hände hoch und sah sehr frisch aus. Ich bin mir sicher, heute läuft er Sub 3. Meine Kräfte lassen mehr und mehr nach. Danach rund ums Lusthaus und wieder zurück. Jetzt überholt mich Martin Höller und er ladet mich ein, mit ihm mitzulaufen. Ich lehne ab und sagte nur, Martin lauf. Ich wiederum, überhole jetzt meinen jungen unbekannten Mann, der mich ab der Oberen Donaustraße verlassen hatte. Der Marathon selbst kommt mir sehr kurzweilig vor. Ein Stückchen noch dann ist auch schon die Labestation km 35. Ich schnappe mir wieder meine Flasche und es geht weiter. Alfred steht am Rand und feuert an. Vorher waren Evelyne mit Herbert da und grüßten. Es sind nur mehr 7 Kilometer, Regina, bald ist es vorbei, sagte ich mir selbst. Kurz bevor man die Stadionallee rauf läuft und wieder auf der Schüttelstraße raus kommt, steht Brigitte, sie ruft meinen Namen und applaudiert mir zu. Ich habe Brigitte die letzten 10 Jahre nicht mehr gesehen und sie erkennt mich noch immer, so schlecht kann ich noch nicht aussehen.? Ich hebe meine Hand zum Gruß, den Worte kommen keine mehr raus -schaffe ich nicht mehr. Auf der Schüttelstraße beim Gegenverkehr treffe ich Kurt und Elisabeth. Muss feststellen, sie schauen hervorragend aus und das freut mich. Mittlerweile befinde ich mich bei km 38 und laufe heute das Letzte Mal bei meinen Wohnhaus vorbei. Ich habe das Gefühl ich laufe in Zeitlupe. Meine Kilometerzeiten sind mittlerweile schon weit von meiner Vorgabe entfernt und ich schau gar nicht mehr, sondern Drücke einfach nur mehr die Kilometer ab. Jetzt sind es nur mehr 4 Kilometer, das ich doch lächerlich, suggerierte ich mir ein. Bei Kilometer 40 nehme ich mir meine Flasche nicht mehr, aber sie stand dort, gesehen habe ich sie. Ich will nur mehr ins Ziel, damit ich endlich nicht mehr laufen muss. Der wirklich längste Kilometer war von 40 auf 41. Es schien als ob er niemals enden will. Der schönste kam dafür danach. Es ist unglaublich und so einzigartig. Die Leute stehen sehr eng und es wird nur gejubelt. Man spürt das mitfiebern der Zuschauer. Ich sehe Nic mit seinen Fotoapparat stehen. Das ist ein gutes Zeichen, dann ist das Ziel schon nah. Monika steht gegenüber. Ich versuche noch den Rest an Kraft in die Beine zu bekommen und laufe durch das Ziel. Meine Uhr zeigt: 3:09:14. Bin froh das es vorbei ist aber doch über die Zeit endtäuscht. Ich habe 3 Minuten überzogen. Man hängt mir die Medaille um. Heuer bekommen die Damen andersfärbige als die Herren. Ich treffe dogrun, eleon, JM, Bani,…..wir plaudern ein wenig danach muss ich mich um meine Belohnung kümmern (die meisten wissen, was es ist). Meinen jungen Mann treffe ich auch, er kam mit 3:11 ins Ziel. Wir gratulierten uns und waren sehr froh, es hinter uns zu haben. Einen „Wohnzimmerkollegen“(Hauptallee) sehe ich und wir stellen fest, beide haben wir um 3 Minuten zu lange gebraucht, als wir vor hatten. Jetzt treffe ich Reinhard. Meine Güte, wir bemitleideten uns gegenseitig. Das tat gut! Erfahrungen über das Leiden wurde ausgetauscht. Gemeinsam Verliesen wir das Ziel. Da es heuer wieder kein Cola im Ziel gab, hatte ich diesmal vorgesorgt. Habe mir Euro 10 eingesteckt und werde mir draußen eines kaufen. Reini wartete beim Treffpunkt auf seine Frau und Freunde und ich zog zur U-Bahn los. Am Praterstern – ja – rein zu Mc Donalds! 2x Fischburger, 2x Cheesburger und 1x Cola. Von da ging ich mampfend nach Hause. Ich startet den PC und möchte die Ergebnisse sehen.

Von allen Gesamt-Damen wurde ich 24igste.

Von den Österreichischen-Damen wurde ich 5.

und von den Wiener-Damen 1.

Ich darf mich über den Titel Wiener Landesmeisterin in Marathon 2011 freuen!

Mein Herz klopft, nein es rast. Ich bin sehr, sehr glücklich. Jetzt gehe ich duschen und schlafen.

 

Die Zahl 13 ist eine Neutrale Zahl!!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

Möchte mich bei allen bedanken, viele haben mir neben der Strecke zugejubelt (Irina, Aniko, viele die ich nur vom Sehen kenne,..). Das tut gut und spornt schon sehr an.

Natürlich auch ein großes Danke an meinen Mann und meinen Trainer, die immer an mich glauben und wo es geht unterstützen.

vcm11-20

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